Helden des Radsports - Obermayer

Helden des Radsports - Obermayer

Heinz Obermayer

helden02Auf die Frage, ob er noch wisse, wann er denn das erste Mal auf einem Rennrad gesessen sei, antwortet Heinz Obermayer ziemlich schnell: „Ja, das kann ich ihnen genau sagen. Das war für eine Reportage auf RTL im Jahre 2003“. 1997, als Jan Ullrich auf seinen Carbon-Laufrädern die Tour gewann, gab es im Hause Obermayer das „Brotzeitradl“ und „a Tourenradl“ für sehr seltene und auch nicht sehr lange sonntägliche Touren zu Bekannten.

Wie kann also jemand, der überhaupt keinen Bezug zum Radsport hatte die, besten Laufräder der Welt bauen? Die unglaubliche Geschichte von Heinz Obermayer und Rudolf Dierl beginnt im Jahre 1964. Da arbeiten die beiden gelernten Werkzeugmacher bei ihrem Arbeitgeber, dem Triebwerksbauer MTU in München, an einer Lehrenbohrmaschine nebeneinander. Beide waren Tüftler, Entwickler oder wie man heute sagen würde „Erfinder“. Und so ergab es sich sehr schnell, dass sie zusammen ihre Ideen in die Tat umsetzten. Anfänglich waren es Kupfer-Relief-Bilder und Heckspoiler für den Porsche 911, die in der Garage von Heinz Obermayers Bruder entstanden. Alles Handarbeit, mit selbst gebauten Formen aus Holz und Kunstharz. Nach den Porschefahrern kamen die Mercedesfahrer und wollten auch für Ihre SL Schweller und Spoiler haben. Der Weg vom Autotuning zum Rennradlaufrad ging aber noch über den Pferdesport. Ein Bekannter hatte nach Laufrädern für seinen Sulky gefragt. Und da war der Erfindungsdrang der beiden natürlich sofort geweckt und schon bald präsentierten sie ein komplett neuartiges Scheibenrad, von dem sie immerhin 200 Stück verkauften.

1990 war dann das Schlüsseljahr: Ein Bekannter hatte von den Sulkylaufrädern gehört und fragte, ob sie denn auch leichte Rennrad-Laufräder bauen könnten? Nach einigen Sticheleien waren die beiden bei der Ehre gepackt und gingen das Projekt „Rennrad“ an. Dabei war eins ganz klar: Wenn schon wieder etwas zu entwickeln war, zu dem sie privat genausowenig Bezug hatten wie zu Spoilern für den 11er, dann sollte das Produkt zumindest das Beste und leichteste der Welt werden. Monatelang tüftelten die beiden mit Bauschaum und mit der Kunststofffaser „Carbon“ herum. Es wurden unzählige Formen gebaut um einen runden Rohling zu spritzen, der dann mit dem neuen Werkstoff umwickelt wurde. Sie bauten aus einer alten Lastenwagenheizung und Pappkartons eine Anlage um das Harz auszuhärten. Die Vorderräder waren dabei weniger das Problem. Die waren ja symmetrisch und es war für die beiden Pioniere keine große Aktion, die Metallspeichen durch Carbonspeichen zu ersetzen. Dass Hinterräder aber asymmetrisch sind und viel höheren Belastungen ausgesetzt sind, mussten die beiden erst noch lernen. Nach Monaten der Tüftelei war es aber geschafft: 1990 fuhren die ersten Radler auf den mattschwarzen Ultec Scheiben beim Münchner Sechstagerennen mit.

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1996 wurde Johan Museeuw bei der Straßen WM in Lugano auf den ersten und damals noch namenlosen Speichenlaufrädern Weltmeister. Ihre Scheiben wurden zu der Zeit unter dem Namen „Highlight“ vertrieben. Also setzten sich die beiden an den neu gekauften PC und erdachten den Namen „Lightweight“. Das Ganze noch mit der PC-Schrift Lucida Calligraphy geschrieben ergab den neuen Markennamen und Schriftzug, den heute jeder Radfahrer kennt.

Die Gerüchte über die neuen ultraleichten und extrem stabilen Laufräder verbreiteten sich im Profiradsport wie ein Lauffeuer und als 1997 Bjarne Riis und Jan Ullrich bei der Tour ihre Laufräder fuhren, stand das Telefon der beiden nicht mehr still. Der Erfolg war endlich da!

Natürlich drängten die Familien und Bekannten zur Expansion, aber das wollten die beiden nicht. Sie schafften einen Laufradsatz pro Tag. Und es galt immer das Motto „Wer zuerst kommt, malt zuerst“. So musste sich auch Lance Armstrong, der auf dem Höhepunkt seine Karriere für die Tour gleich mehrere Sätze bestellt hatte, auch mit nur einem begnügen. Nicht weil Verknappung oder Begehrlichkeit die Taktik der beiden war, sondern weil sie einfach keine Laufräder auf Lager hatten und die Bestellliste immer länger wurde. Im Münchner Norden spielten sich zu der Zeit wunderbare Szenen ab – Profis, Teammanager und prominente italienische Großindustrielle kamen persönlich vorbei, um die Laufräder abzuholen. Jeder musste bar bezahlen und keiner durfte die Werkstatt betreten oder auch nur eine Blick rein werfen.

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Die beiden mussten Ihre Entwicklungen schützen und es war einfach zu teuer, die Laufräder zum Patent anzumelden. Also ließen sie einfach niemanden in die Werkstatt. Es gab natürlich auch Angebote von Mitbewerbern die Ihnen Ihr Know How abkaufen wollten, aber die angebotenen Summen waren immer zu klein. Und außerdem hatten die beiden ja Spaß an dem was sie da in der Garage herstellten. 2003, nach fast 40 Jahren Tüfteln und Werkeln, verkauften Obermayer und Dierl Ihre Firma und Ihr Wissen an Carbon- Sports aus Friedrichshafen. Neben Ihrem Wissen übernahmen die Bodenseeer auch alle Werkzeuge und Verfahren, die Obermayer und Dierl in jahrelanger Arbeit entworfen hatten. Endlich hatte sich die Arbeit ausgezahlt. Rudolf Dierl zog sich komplett zurück und genießt seinen Ruhestand. Heinz Obermayer ist immer noch als umtriebiger Berater für Carbon- Sports tätig. Besucht oft das neue Werk und vertritt die Firma auf Messen.

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Der Name Obermayer steht heute auf den besten Laufrädern der Marke Lightweigth – und es ist für viele Radsportler - seien es Profis oder Hobbyradler - eine Ehre ihn mal kennenzulernen und ihm die Hand zu schütteln.

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