Bicicletta da Corsa - Venticinque
pagina #21 www.biciclettadacorsa.de „Ich kenne jedes Murmeltier beim Vornamen“ JOACHIM NISCHLER „Eigentlich bin ich gar kein Radfahrer“, aber nachdem er sich beim Fußball die Achillessehne gerissenhat, empfahl ihmsein Arzt, esmal „weniger mit Kontaktsportarten zu versuchen“. Radfahren sei jetzt mit demVakoped-Schuh ideal! Das ist jetzt 25 Jahre her. Dass in der RekonvaleszenzMarcus Storck bei ihm imHotel Urlaubmachte, kann man wohl als glückliche Fügung bezeichnen. Die Runden wurden länger, das Training intensiver, die Ernährung umgestellt, die Auffahr- ten aufs Stilfser Joch häuften sich und die Idee zur „Stilfser Joch Wette“ entstand. Jeden Dienstag fährt Joachim mit seinen Gästen hoch. Bis Laas geht es komfortabel imBus, ab da „zumEinrollen“ per Rad weiter noch Prad. „Ab demweißen Strich zählts!“ Wer schneller ist als der Chef erhält einen Gutschein fürs Wellness. Wer als Mann unter 3 Stunden und als Frau unter 4 Stunden fährt, kommt in den Lostopf für je einen Storck Rennradrahmen. „Heut sind fast 25Prozent schneller als ich“, auchwenn ermit seinen 51 Jahren die knapp 25km immer nochmit einem12er Schnitt und gut unter zwei Stunden fährt. "Das Niveau der Gäste hat sich verän- dert" Einige essen und trainieren wie die Profis. „Die wundern sich dann immer, wenn ich mir oben im Restaurant ein Glaserl Wein und Würstl mit Kraut hole!“ Aber das sei seine Philosophie, sein Triathlon „Radfahren - Essen - Trinken“. Letztes Jahr feierte er seinen 50sten. Das war ein Samstag. „Ich hab es dann so arrangiert, dass ich am Dienstag zum500stenmal hochfahre“. Die letzten siebenKilometer, die Kehren, mag er am liebsten: „Mit jeder Kurve ändert sich die Per- spektive, einmal schaust auf die Kurven, dann wieder auf die un- glaublichen Gletscher.“ Das ist Endorphin pur! „Dasmerkst auch bei den Gästen – beim Abendessen am Dienstag haben alle ein breites Grinsen im Gesicht.“ Beim Radfahren verbindet er seine große Lei- denschaft mit dem Beruf. „Jeden Dienstag, wenn es das Wetter zu- lässt, fahren wir die Stilfser Joch Wette, dann haben wir die Trainingswochenmit denProfis.“ Natürlich ist Marcus Storck da auch immer mit von der Partie und bringt schon mal den einen oder an- deren Stargast mit. Ein Name steht bei Joachim aber über allen: „Lo Sceriffo“! 2018 durfte er mit dem italienischen Radgiganten Fran- cescoMoser die berühmte Auffahrtmachen. „Der war damalsmit 67 Jahren immer noch extrem stark!“ Gute Aussichten also auch für Joachim, der noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Früher mal hab ich gesagt, wenn die erste Frau schneller ist als ich, höre ich auf mit der Wette. Nicht mit dem Radfahren, aber mit der Wette.“ Den Zahn zog ihm aber ein Gästepärchen. „Bei dem Mann wusste ich, dass er Profi ist, den haben wir schnell ziehen lassen, aber dass die Freundin fünf Mal den Ötztaler gewonnen hat, wusste ich nicht! Ich wollt a bisserl Small Talk machen. Laila leider nicht“ Aber nicht den Profis, oder solchen die sich dafür halten, zollt Joa- chimden größten Respekt. „Das sind die Leute, die sich drei bis vier Stunden den Berg hochquälen. Bei denen jede Kehre zum Kampf wird. Die oben ins Auto fallen und nur noch glücklich sind.“ Drei- bis vierhundert rennradfahrende Gäste macht Joachim übers Jahr mit „seinem Berg“ glücklich und geben ihm eine wunderbare Ausrede, immer wieder hochzufahren. „Es ist nie gleich und immer wieder schön!“ www.lindenhof.it | www.stilfserjochwette.com
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