Bicicletta da Corsa - Venticinque
pagina #24 www.biciclettadacorsa.de Marcialonga Cycling Craft – der Name ist Programm! Am 31. Mai 2020 wäre es wieder soweit gewesen. Eines der härtesten Radrennen lockte im Vorjahr rund 2000 Profi- und Amateur-Radrennfahrer ins Trentino um sich zu messen und die eigenen Kräfte auszuloten. Auch in dieser Saison rechneten die Organisatoren mit hoher Teilnehmerzahl. Denn es ist ein ganz besonderes Spektakel, das nicht nur Profi- und Amateurradrennfahrer anzieht, sondern auch viele Schaulus- tige an die Rennstrecke lockt und die Re- gion einmal mehr als Paradies für Radsportler unterstreicht. Bereits zum 14. Mal hätte die Marcialonga stattfinden und die Teilnehmer durch Val di Fiemme und Val di Fassa über einige der schönsten Dolomitenpässe führen sollen. Wie wir heute alle wissen: Der Sommer 2020 wurde ein anderer, als wir alle erwartet hatten. Also zurück ins Jahr 2019. Für Peter Schlickenrieder, Olympiasilbermedaillengewinner im Sprint und heutiger Bundestrainer Skilanglauf ist das Radrennen ein ganz be- sonderes Highlight des Jahres. „Meine Premiere bei der Marcialonga! Es war unglaublich!“ Peter Schlickenrieder landete bei seiner ersten Teilnahme auf Platz 265 bei 726 gewerteten Teilnehmern auf der lan- gen Distanz. Für ihn ein gutes Ergebnis. Doch viel wichtiger als die Plat- zierung war dem ehemaligen Profisportler das Erlebnis selbst. „Die ganze Atmosphäre bei diesem Radrennen und die Naturlandschaft ist einfach unglaublich beeindruckend und das Rennen selbst sehr an- spruchsvoll“, weiß er zu berichten. „Und diese Herzlichkeit der Trenti- ner, ihre Lebensfreude und Leidenschaft für großen Sport muss man einfachmal erlebt haben“, schwärmt er weiter. Obwohl ihmdas Rennen 2019 so einiges abverlange, stand für Peter Schlickenrieder sofort fest: „Das mache ich nächstes Jahr wieder.“ Denn wer einmal diese tolle At- mosphäre erlebt hat, der kommt einfach wieder, auch wenn die Stra- pazen des Rennens noch so groß sind. Das Radrennen ist alles andere als eine Spazierfahrt, dies kündigt be- reits der Name der Marcialonga, „der lange Marsch“ an. „Man könnte die Marcialonga mit dem Ironman auf Hawaii für Triathleten vergleichen oder mit dem 90km langen Wasalauf für Skilangläufer. Es wird einem alles an physischen aber auch psychischen Kräften abverlangt“, be- richtet Peter Schlickenrieder über seine persönliche Erfahrung aus dem Vorjahr. Die Marcialonga Cycling Craft ist das Zwillingsrennen des „großen Bruders“, der Marcialonga auf Langlaufskiern, welche jedes Jahr Ende Januar stattfindet. Bereits seit 1971 wird die tra- ditionelle Marcialonga als Winterhighlight veranstaltet. Seit 14 Jahren gibt es nun auch das sommerliche Pendant für Rennradfahrer. Während für Lang- läufer die Marcialonga mit einer Distanz von 70 Kilometern ausgetragen wird und jährlich rund 4000 Teilnehmer zählt, lockte die sommerliche Marcialonga 2019 rund 2000 Radrennfahrer an den Start und kann sich mit dem „großen Bruder“ in puncto An- spruch an die Strecke durchaus messen. Bei der Marcialonga Cyling Craft haben die Teilnehmer die Möglichkeit, je nach ihrer Kondition zwi- schen zwei Distanzen zu wählen. Für Könner gibt es die 135 Kilome- ter-Strecke mit rund 3900 Höhenmetern. Die Strecke führt dabei in Form einer Acht über vier klassische Pässe. Rennradfahrer mit weniger Kondition können an der kürzeren Variante über 80 Kilometer und zwei Pässe mit rund 2500 Höhenmetern teilnehmen. Doch beide Rennen der Marcialonga bedeuten für die Teilnehmer viele kräftezehrende Stei- gungen und kaum Flachstücke. Belohnt werden die Radrennfahrer dafür mit einem volksfestähnlichen Spektakel an den Wegesrändern. „Die Trentiner sind unglaublich begeisterungsfähig und reißen uns Rad- ler mit ihrer Stimmung einfach mit“, schwärmt Peter Schlickenrieder immer noch, wenn er an seine Teilnahme im Vorjahr zurückdenkt. Als ehemaliger Profisportler im Skilanglauf weiß Peter Schlickenrieder seine Kräfte auf Langstreckenrennen gut einzuteilen. So gewann er im Jahr 2001 den Engadin Skimarathon mit einer Distanz von 42 Kilo- metern im Freistil. Doch manchmal lässt man sich von anderen Teil- nehmernmitreißen und geht über die eigenen Kräfte hinaus. „Das kann eine Weile gut gehen. Doch bei der Marcialonga letztes Jahr musste Vier Pässe 3900 Höhenmeter 135 Kilometer
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